Geschichte

Galmiz liegt am Rand des Grossen Mooses, am alten Römerweg, der von Aventicum nach dem Rhein führte. Archäologische Funde bezeugen mesolithische Siedlungsspuren. Eine römische Villa mit Wandmalereien und ein frühmittelalterliches Gräberfeld im Gassenfeld weisen auf eine Siedlungskontinuität hin.

Galmiz gehört seit dem 14. Jh. nachgewiesen zur Herrschaft Murten und kommt mit dieser 1475 unter bernisch-freiburgische Verwaltung. Seit der Reformation bildet es einen Teil der reformierten Kirchgemeinde Murten. Für 1428 werden in den Steuerrodel 9 Feuerstätten vermerkt. 158/59 sind es deren 13. Hundert Jahre später werden 24 Häuser, 3 Scheunen, 2 Speicher, 2 Ofenhäuser und 2 Stöcke versteuert. Dies schliesst auf eine Bevölkerungszahl von ungefähr 130 Einwohnern (5 Personen pro Feuerstätte). Bei der ersten Volkszählung 1811 steigt die Bevölkerung auf 272 Einwohner; 1900 sind es 467, 1990 447 Einwohner.

Der ursprüngliche französisch-sprachige Ort Charmey wird im Lauf der 17. und 18. Jahrhunderts germanisiert. Dieser Prozess wird 1725 mit der Aufhebung der welschen Schule abgeschlossen. Die deutsche Bezeichnung Galmiz bedeutet Brachland oder Heide und ist erstmals 1418 schriftlich belegt. Seit 1803 gehört Galmiz zum Kanton Freiburg und seit 1848 zum neu geschaffenen Seebezirk. 1868 - 88 erfolgte die erste Juragewässerkorrektion mit der Trockenlegung der versumpften Ebene. 1876 wurde die Eisenbahnlinie Murten - Fräschels eröffnet.

 

Siedlung

Die Siedlung, ein grosses Bauerndorf, vorwiegend Gemüsebauernbetriebe, befindet sich am Rand des Grossen Moses, zwischen zwei niedrigen Hügelzügen. Zwei Strassenachsen frühren am Fuss der Hügelzüge entlang und treffen sich am nördlichen Dorfausgang. Quergassen verbinden die Hintere Gasse (im 19. Jh.: Lange Gasse) mit der heutigen Hauptstrasse (im 19. Jh.: Landstrasse). Nach Hermann Schöpfer handelt es sich um eine geplante Siedlung. Die Hintere Gasse ist ein der nördlichen Hälften hangseits mit mittelgrossen Höfen bebaut. Dieser Hang wurde bis um 1900 als Rebberg benutzt. Die südliche Hälfte besteht aus einer lockeren Bebauung beidseitig der Strasse, geprägt durch die öffentlichen Bauten wie Schulhaus, Spritzenhaus und Gemeindeofenhaus mit Brunnen. Der heute leider eingedeckte Dorfbach schlängelte sich durch die Hintere Gasse.

Die ehemalige Landstrasse oder heutige Hauptgasse ist auf beiden Seiten mit Bauten besetzt. Die Quergassen sind eher schwach mit Häusern belegt.

Zwischen den beiden Hauptachsen erstreckt sich eine mit Obstbäumen durchzogene und mit wenigen Bauten besetzte Grünzone, die für die Ortsbildgliederung von grosser Bedeutung ist. Heutige Überbauungen und Bauprojekte beeinträchtigen jedoch diesen Freiraum und gefährden dessen Existenz.

Ein kleines, als Ensemble schützenswertes Taglöhnerquartier mit vorwiegend Kleinbauernhäusern in Riegkonstruktion aus dem späten 19. Jh. prägt den südlichen Ortsausgang, unweit des Friedhofs.

Etwas abgesetzt von den Hauptachsen steht der alte Bahnhof mit Güterschuppen.

Die seit den 1920er Jahren errichteten Anstalten des Tannenhofs und des Erlenhofs im Grossen Moos gehören zur Strafanstalt Bellechasse und prägen das Landschaftsbild im Grossen Moos.

Ein neues Einfamilienhausquartier breitet sich an der Hangkante des Riedli aus und auch am nördlichen Ortsausgang wurden mehrere Neubauten erstellt.

 

Baubestand

Der Murtner Arzt Engelhard beschreibt Galmiz um 1840 mit folgenden Worten: "Das Dorf, unregelmässig gebaut, hat viele unansehnliche Häuser aus Holz aufgeführt und mit Stroh bedeckt, das Wirthaus zum Schild und das Schulhaus ausgenommen. Es liegt in einem anmutigen fruchtbaren Thälchen, auf der Nordseite durch einen mit Reben bepflanzten Hügel gegen Nordwind geschützt. Gegen Osten und Süden ziehen sich mit Waldung bedeckte Anhöhen hin".

Dieser "unansehnliche" Baubestand wurde nach mehreren grossen Dorfbränden (1868/69: 8 Gebäude; 1880: 3 Gebäude; 1883/84: 4 Gebäude; 1901: 5 Gebäude) durch zahlreiche Neubauten ersetzt. Die heutige Bebauung besteht aus kleinen und mittelgrossen Bauernhäusern, die vorwiegend traufständig zur Strassenachse ausgerichtet sind. Wohnteil, Tenn und Stall befinden sich unter einer First. Die ursprünglich aus Holz gebauten und mit Stroh und Schindeln gedeckten Vollwalmbauten wurden im Verlauf der 19. Jahrhunderts durch Riegelbauten mit Ründifassaden unter ziegelbedeckten Teilwalmdächern ersetzt. Sie bilden den prägenden Grundstock der bäuerlichen Bausubstanz. Nach 1900 beeinflusste der Heimatstil die neuen als Massivbau erstellten Bauernhäuser. Zwei bedeutende Ständerbauten im Kupfergässli haben den Dorfbrand überlebt und gehören zum ältesten Baubestand des Dorfes. Sie sind wertvolle Zeugen einer vollendeten Zimmermannskunst des 18. und 19. Jahrhunderts.

 

Nach 1900 entstand auch das Wohnhaus als neue Baukategorie. Das ehemalige Lehrerhaus, unweit des Schulhauses stellt ein frühes Beispiel des allein stehenden Wohnhauses dar. Einige jüngere Bauten aus den 1920er Jahren an der Hauptstrasse sind vom ländlichen Heimatstil geprägt.